Mit diesem Beitrag startet eine kleine Reihe rund um Qi Gong im Klinik‑ und Praxisalltag in Zeitz
Am 24. März 2026 stand der Therapeutenstammtisch im SRH Klinikum Zeitz ganz im Zeichen von Qi Gong.
Im Rahmen dieser Veranstaltung war ich als externer Qi‑Gong‑Trainer eingeladen, meine Arbeit vorzustellen und gemeinsam mit einem vielfältigen Fachpublikum zu üben: dabei waren u.a. Mitarbeitende der Schmerzklinik und der psychiatrischen Tagesklinik, Ergotherapeut:innen, Physiotherapeut:innen, Osteopath:innen sowie weitere Interessierte aus unterschiedlichen Bereichen.
Worum es in dem Vortrag ging:
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich eine jahrtausendealte Praxis wie Qi Gong gut verständlich mit moderner Neurophysiologie verbinden lässt. Statt „esoterischer Show“ lag der Fokus auf nachvollziehbaren Zusammenhängen:
• Wie beeinflussen Atmung, langsame Bewegung und Aufmerksamkeit das autonome Nervensystem?
• Welche Rolle spielt der Vagusnerv für den Wechsel vom Dauer‑Alarmmodus hin zu mehr innerer Ruhe?
• Wie lassen sich Grübelschleifen (Default Mode Network) und Schmerzverstärkung durch gezielte, sanfte Bewegung unterbrechen?
Traditionelle Begriffe wie Qi und die drei Schätze Jing–Qi–Shen wurden dabei als Bilder genutzt, um Ressourcen, Energiehaushalt und geistige Klarheit zu beschreiben – in Sprache, die auch im medizinischen Kontext gut andockt.
Schmerz, Depression, Geriatrie – Einsatzfelder im Klinikalltag
Besonders im Fokus standen drei Bereiche, die im Klinikum täglich eine große Rolle spielen:
Chronischer Schmerz:
Sanfte, schmerzfreie Bewegungen und Berührung können helfen, das Schmerzsignal im Nervensystem zu „überblenden“, muskuläre Schutzspannung zu lösen und das System schrittweise zu beruhigen.
Depression, Angst und Erschöpfung:
Langsame, fokussierte Bewegungen, Atemarbeit und das sogenannte „Innere Lächeln“ unterstützen dabei, aus innerer Starre und Grübelschleifen zurück ins Spüren zu finden – weg vom reinen „Kopfkino“, hin zu mehr Körperpräsenz und innerer Sicherheit.
Geriatrie / Hochaltrige:
Viele Übungen lassen sich im Sitzen, im Rollstuhl oder sogar mental durchführen. Nach dem Motto „nichts muss, alles darf“ liegt der Schwerpunkt auf Balance, Sturzprophylaxe, Gelenkmobilisation und kognitiver Aktivierung, ohne Leistungsdruck.
Deutlich hervorgehoben wurde: Qi Gong versteht sich als ergänzende, ressourcenorientierte Praxis. Es ersetzt weder medizinische noch psychotherapeutische Behandlungen und gibt keine Heilversprechen. Ziel ist es, die in der Therapie angelegten Prozesse zu unterstützen und dem autonomen Nervensystem konkrete Werkzeuge zur Regulation an die Hand zu geben.
Was gemeinsam praktisch ausprobiert wurde
Der Therapeutenstammtisch war bewusst praxisnah gestaltet. Gemeinsam mit den Teilnehmenden wurden kurze Sequenzen geübt, die sich in 5–10 Minuten in den Klinik‑ und Praxisalltag einbauen lassen:
• ein kurzer Check‑in im Sitzen mit aufrechter Haltung, Atembeobachtung, kleinen Schulter‑ und Handbewegungen sowie einer Hand auf dem Bauch zur Erdung,
• Elemente aus dem Finger‑Qi‑Gong und einfache Selbstmassage an Händen und Ohren, um das Nervensystem über die stark repräsentierten Handareale im Gehirn anzusprechen,
• das Innere Lächeln als Einladung, die innere Atmosphäre von Anspannung hin zu mehr Freundlichkeit und Sicherheit zu verändern.
Alle Übungen sind niedrigschwellig, anpassbar (im Stehen, Sitzen, am Bett oder im Rollstuhl) und orientieren sich an der Leitlinie: kleine, machbare Schritte statt Überforderung.
Ausblick
Der Nachmittag im SRH Klinikum Zeitz hat gezeigt, wie groß das Interesse an körperorientierten, sanften Methoden zur Regulierung von Stress, Schmerz und Emotion ist.
Die hier beschriebenen Qi‑Gong‑Angebote werden von: Wecke dein Qi – Lebenskraft im Fluss als eigenständige, ergänzende Praxis angeboten und sind nicht Teil der regulären medizinischen Leistungen des SRH Klinikums Zeitz.
Im Raum Zeitz stehen regelmäßig Kurse und Gruppenformate zur Verfügung, in denen diese Inhalte vertieft und alltagstauglich eingeübt werden können – für Menschen mit chronischem Schmerz, Stress, Depression, Angst, Erschöpfung, für Hochaltrige und für alle, die ihr Nervensystem besser verstehen und beruhigen möchten.